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19.10.2022 News

Ein Be­kennt­nis zum Kli­ma­schutz

Klimawandel findet statt. Die globale Erwärmung ist auch bereits in Graz messbar. Seit 2001 konnte eine Erhöhung der durchschnittlichen Temperatur von 1,4 Grad Celsius verzeichnet werden.

Der Sommer 2022 ging mit 27 Hitzetagen als heißester Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen in die Grazer Geschichtsbücher ein. Das sind ganze zehn Hitzetage mehr, als es im Schnitt in den Jahren von 1991 bis 2020 gab.

Die Klimakatastrophe macht auch vor Graz nicht halt, gerade deshalb braucht es in den kommenden Jahren Politik, deren oberstes Ziel der Klimaschutz ist. Genau das will Vizebürgermeisterin Judith Schwentner tun. Im Gemeinderat vom 20. Oktober wurde ein Grundsatzbeschluss „Klimaorientierte Stadtentwicklung“ eingebracht, der das Fundament für die Arbeit an einem klimafreundlichen Graz bildet. Mit diesem Antrag werden alle Abteilungen der Stadtbaudirektion und das Umweltamt damit beauftragt, ihre Planungs- und Umsetzungsschritte an den Zielsetzungen des Grazer Klimaschutzplanes auszurichten. Was dieser Grundsatzbeschluss sonst noch beinhaltet, liest du hier!

Klimaschutz und Klimawandelanpassung

Alle Organisationseinheiten der Stadt Graz setzen umfassend und kontinuierlich Maßnahmen, um unser Klima zu schützen und die Folgen des Klimawandels bestmöglich abzuschwächen. Dieses oberste Bestreben ist in zahlreichen städtischen Strategien (u.a. Stadtentwicklungskonzept 4.0, Energiemasterplan Graz, Aktionsplan 2022 Klimawandel Anpassung in Graz, Grünes Netz Graz u.v.m.) festgehalten.

 

Um die übergeordneten Ziele (Paris, Europäische Union, Österreich etc.) erreichen zu können, muss Graz sich ein ambitioniertes Netto-Null-Ziel bis spätestens 2040 setzen. Zu geringe Anstrengungen in den vergangenen Jahrzehnten haben nun den Zeit- und Handlungsdruck enorm verschärft. Die Klimaneutralität in wesentlichen Bereichen aber sogar bereits 2030 anzustreben, muss das oberste Ziel als eine der Vorreiterstädte sein.

Klima-Informationssystem (KIS)

Das Klima-Informationssystem (KIS) liefert elementare, dynamische, strategisch unverzichtbare und hochaufgelöste Grundlagen und Erkenntnisse für klimarelevante Entscheidungen und Weichenstellungen. Um die notwendigen Planungen und Umsetzungen bestmöglich durchführen zu können, bedarf es umfassender, faktischer Entscheidungsgrundlagen und entsprechender Analysen.

 

Speziell der Bereich Stadtentwicklung verfolgt den Anspruch die klimatischen Rahmenbedingungen umfassend zu berücksichtigen. Ein laufendes Klimamonitoring ist daher sowohl für das Stadtgebiet als auch für das gesamte Umland für künftige Entscheidungen der Stadtentwicklung unverzichtbar. Die klimatischen Analysen sollen sich zudem nicht auf das Stadtgebiet begrenzen, sondern auch Teile des steirischen Zentralraums inkludieren, da zum Beispiel für Graz wichtige Frischluftbahnen ihren Ursprung naturgemäß nicht an der Stadtgrenze haben, sondern im steirischen Zentralraum und auch in diesen Gemeinden klimarelevant agiert werden soll.

 

Erkenntnisse und Ergebnisse aus dem KIS sollen in Planungsprozessen verankert werden und durch die Einrichtung einfacher Anwendungstools und Integration in das bestehende städtische Geodatenportal Möglichkeiten zu Detailanalysen (z.B. Mikroklimauntersuchungen) geschaffen werden. Neben diesen internen Anwendungsmöglichkeiten soll das KIS auch umfassende (Web-) Services für die breite Öffentlichkeit bieten.

Stadtentwicklung und Raumplanung

Die aktive Auseinandersetzung mit den steigenden Herausforderungen des Klimaschutzes und des Klimawandels werden als Entwicklungsziele der Stadt Graz aufgenommen. Die interdisziplinäre Berücksichtigung wird durch die übergeordnete Stadtentwicklung gewährleistet. Die daraus resultierenden Entwicklungsziele für eine klimaorientierte Stadtentwicklung sind in Fachstrategien und Raumordnungsinstrumente aufzunehmen. Zur Unterstützung der Erreichung der darin festgelegten Entwicklungsziele werden verstärkt zivilrechtliche Vereinbarungen der Stadt Graz mit privaten Projektentwicklern abgeschlossen. Diese Möglichkeit wurde in der Novelle des steirischen Raumordnungsgesetzes im § 43 geschaffen.

Der öffentliche Raum

Öffentliche Räume leben von der multifunktionalen Nutzbarkeit und nicht von der Dominanz des Automobils. Sie sind Sozialisationsräume für Kinder und alle anderen Bewohner:innen und begründen deren Identifikation mit dem Quartier, in dem sie leben. Daher steht die Aufenthaltsqualität neben der sichern Benutzbarkeit an oberster Stelle.

 

Das gehäufte Auftreten von Hitzewellen stellt für die Bevölkerung nicht nur eine Komfortfrage, sondern ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko dar. Daher ist es eine wesentliche Zielsetzung, die Aufenthaltsqualität in den öffentlichen Räumen trotz Klimawandel zu erhalten und zu verbessern. Die Reduktion von Asphalt- und Metalloberflächen zugunsten von hellen Flächen und Belägen oder schottergebundenen Decken führen zur deutlichen Abnahme des Hitzestress. Die Entsiegelung von Oberflächen trägt zur Reduktion von städtischen Hitzeinseln und zur besseren Versickerung bei. Auch der kühlende Effekt von Wasserflächen konnte durch die Analysen im KIS aufgezeigt werden. Eine engmaschige Anordnung von Baumpflanzungen kann den thermischen Komfort von Straßenzügen maßgeblich verbessern.

Mobilität

Der öffentlich genutzte (Verkehrs)raum in einer gewachsenen Stadt wie Graz stellt ein begrenztes und wertvolles Gut dar. Der Ausbau der Projekte des Umweltverbundes (aktive Mobilität und ÖV) ist heute und in Zukunft die flächeneffizienteste und ressourcenschonendste Antwort auf die Mobilitätsbedürfnisse der Menschen. Eine Stadt der kurzen Wege mindert die Abhängigkeit vom Privat-PKW und ermöglicht eine emissionsfreie Fortbewegung innerhalb des Stadtgebietes. Künftig sind die Verkehrsarten des Umweltverbundes besonders zu fördern und das Aufkommen des motorisierten Verkehrs ist zu reduzieren. Die Erreichbarkeit für den Zustellverkehr von Gewerbetreibende und die Berücksichtigung der Barrierefreiheit erhält eine besondere Berücksichtigung in der Planung der Mobilitätswende.

Grünräume und Freiflächen

Bauliche Entwicklungen und Nachverdichtung der Kernräume ohne gleichzeitige Freiraumentwicklung führt zwangsläufig zu Lebensqualitätsverlust, nachteiligen sozialen Brennpunkten und Verschärfung der Auswirkungen des Klimawandels. Dies gilt es mit Nachdruck zu verhindern.

 

Der Erhalt und die Sicherung von unverbauten Grün- und Freiflächen, ausgestattet mit hoher Biodiversität und möglichst geeignet, um auch zukünftige Ansprüche einer städtischen Landwirtschaft mit einem hohen Grad an Eigenversorgung zu gewährleisten muss neben der kompakten Kernstadt Graz als wichtiges Ziel gelten.

Energieversorgung

Um die notwendigen Dekarbonisierungsziele erreichen zu können, ist in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ein massiver Ausbau alternativer Energien mit einem enormen Flächenbedarf notwendig. Der Flächenbedarf für Stromerzeugung mit Photovoltaik-Anlagen kann mit etwa 1,2 Hektar je GWh und Jahr angesetzt werden. Für etwa 2.000 GWh/a Stromverbrauch in Graz ergäbe das eine Fläche von 2.400 Hektar bzw. 24 km2.

 

Neben 7 Murkraftwerken und 84 Windrädern sieht der EAG 2020 – Ausbauplan in der Steiermark 157.000 Klein-PV-Anlagen und dazu 785 ha Freiflächen-PV vor. Mittel- und langfristig wird aber auch das den Strombedarf nicht decken können, sondern werden weitere Programme folgen müssen.

 

Es ist nicht realistisch zu erwarten, dass dieser Flächenbedarf fast ausschließlich über Freiflächenanlagen in ländlichen Gebieten gedeckt werden kann. Auch dort gibt es teilweise massive Bedenken hinsichtlich Verbrauch wertvoller Ackerflächen und Störung des Landschaftsbildes, insbesondere in Fremdenverkehrsregionen. Es führt daher kein Weg daran vorbei, dass Städte ihren Teil der Verantwortung für eine dekarbonisierte Stromproduktion übernehmen und massiv Flächen für PV-Anlagen mobilisieren. Die Planungsabteilungen und das Umweltamt bekennen sich daher zum Ausbau der solaren Energie und setzen diesbezügliche Priorisierungen in den diesbezüglichen Planungsinstrumenten.

Redaktion Die Grazer Grünen
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